Written by: Geschichte Medizin

Wenn der Tod Geschichte schreibt: Das unbekannte Sterben bekannter Persönlichkeiten Teil II

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Die großen historischen Persönlichkeiten, von denen wir lesen und lernen, sind – fast schon per Definition – allesamt tot. Der Tod gehört einfach dazu, wenn man in die Geschichte eingehen möchte. Doch so naturgemäß wie das Sterben zur Geschichte dazu gehört, so selten wissen wir eigentlich, auf welche Art und Weise jene Frauen und Männer, die den Lauf der Welt beeinflusst haben, das Zeitliche segneten. Und so manches Mal bietet ihr Ableben den Stoff für ganz eigene Geschichten – auch wenn natürlich niemand aufgrund seines Todes in Erinnerung bleiben möchten. Da die Persönlichkeiten, über die hier berichtet werden soll, jedoch ausreichend großartige Leistungen vollbracht haben, wollen wir es uns erlauben, in dieser Wissenshappen-Serie einen Blick auf die etwas unrühmlicheren Seiten des Seins bzw. Nicht(mehr)seins zu werfen.

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Blaublut schützt vorm Sterben nicht: Britische Royals und ihre tödlichen Laster

Cecil Beaton creator QS:P170,Q697096 , Queen Elizabeth II on her Coronation Day, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Im zweiten Teil dieser Serie möchte ich eine Gruppe von Menschen unter die Lupe nehmen, die vielleicht für einen bestimmten Teil der Erde eine wichtige historische und kulturelle Bedeutung besitzt, für mich jedoch vielmehr ein Symbol unerschütterlicher Gesundheit und einer erstaunlichen Langlebigkeit darstellt: die britischen Royals. Denn Dank Königin Elisabeth II., die am 08. September diesen Jahres im methusalemischen Alter von 96 Jahren friedlich* verschieden ist, umweht das britische Königshaus ein Hauch der Unsterblichkeit, der durch ebenfalls hochbetagte Vertreter wie Prinz Philip (†99) oder die Queen Mum (†101) bekräftigt wird.

Doch der Eindruck täuscht, denn die britischen Royals waren nicht alle so langlebig oder robust wie Königin Elisabeth II. oder ihr Prinzgemahl. Ganz im Gegensatz: einige von ihnen lebten äußerst ungesund – und nicht unbedingt lange.

Der letzte Zug: Rauchende Windsors

Die Queen selbst mag zwar für ihre Disziplin und einen sehr gesunden Lebensstil bekannt gewesen sein, doch mit dieser Lebensweise stellt sie zum Großteil eine rühmliche Ausnahme ihrer Familie dar. Denn auch wenn man annehmen könnte, dass die kontrollierten und oft unterkühlt wirkenden Windsors nichts anderem als dem nachmittäglichen Tee verfallen sind, so frönten Elisabeths königliche Vorgänger und nahen Verwandten einer tödlichen Droge ganze besonders: dem Rauchen.

Wir Menschen des 21. Jahrhunderts wissen (meist), dass Rauchen vieles ist, aber eines ganz bestimmt nicht: gesundheitsförderlich. Im 19. und 20. Jahrhundert wollten die breite Öffentlichkeit, Politiker, Mediziner und eigentlich so ziemlich jeder Mensch auf diesem Planeten die Erkenntnis, dass der Konsum von Tabak tödliche Auswirkungen haben kann, jedoch partout nicht akzeptieren, egal was die Statistiken und offensichtlichen Zusammenhänge auch sagen mochten. Auch die britischen Royals interessierten sich herzlich wenig für die Nebenwirkungen ihres Tabakkonsums und rauchten so viel Pfeife und Zigarette, wie man sich das nur vorstellen kann.

Doch wie so oft im Leben folgte die Strafe auf dem Fuße: König Georg VI., der Vater der nun verstorbenen Königin Elisabeth II., erlag mit nur 56 Jahren einer langwierigen Lungenkrebserkrankung, nachdem ihm sogar der linke Lungenflügel entfernt worden war – von seinem ebenfalls rauchenden Chirurgen, der Jahre später gleichfalls an Lungenkrebs erkranken sollte. Sein Bruder hingegen, Eduard VIII. (nach seiner Abdankung im Jahr 1936 der Duke of Windsor), verstarb nach einem Leben als starker Raucher im Jahre 1972 an den Folgen seines Kehlkopfkrebses, was auch nicht sehr viel angenehmer gewesen sein mag. Der Vater sowie der Großvater der beiden Könige, König Georg V. und König Eduard VII., waren ebenfalls starke Kettenraucher und starben (Überraschung!) an den gesundheitlichen Folgen des Rauchens. Und auch ihre Mutter, Königin Mary, galt als Raucherin und erlag nur ein Jahr nach dem Tod ihres Sohnes George VI. ihrem eigenen – ihr ahnt es schon – Lungenkrebs.

Doch damit ist die rauchende Krankheitsgeschichte der Windsors noch nicht abgeschlossen: Auch Prinzessin Margaret, die Schwester von Königin Elisabeth II., liebte das Rauchen – und auch sie erkrankte an Lungenkrebs und musste sich, wie bereits ihr Vater, den linken Lungenflügel entfernen lassen. Und obwohl sie nicht am Lungenkrebs starb, so erlitt sie zahlreiche Schlaganfälle, die mit großer Wahrscheinlichkeit durch ihr Rauchen begünstigt wurden. Sie starb 2002, nur wenige Wochen vor ihrer Mutter, der Queen Mum, an einem letzten, tödlichen Schlaganfall.

Rauchen kann also doch tödlich sein – zumindest für die Windsors. Wer für das neue Jahr den Vorsatz verfolgt, auf die eine oder andere Zigarette zu verzichten, der sollte vielleicht ab und zu an die britischen Royals zu denken.

Essen bis der Nabel platzt: Die (Schlemmer-)Königin Caroline

Wenn wir schon bei gesundheitsschädigenden Lastern sind, so sollten wir eine der größten Menschheitssünden nicht übersehen: die Völlerei. Eine Sünde, von der sich vermutlich niemand unter uns gänzlich frei sprechen kann (zumindest nicht in der Weihnachtszeit). Und auch wenn Königin Elisabeth II. doch eine recht schlanke Figur machte, so lässt sich das leider nicht für alle englischen Monarchen sagen. Im Gegenteil: eine Vorgängerin der Queen ließ es sich sogar so gut und reichhaltig schmecken, dass ihr Körper sein Innerstes nicht mehr beisammen halten konnte.

Joseph Highmore creator QS:P170,Q1707243 , Highmore – Caroline of Ansbach – RCIN 406035, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Wer jetzt gerade hämisch über die Briten und ihren Junk-Food-Konsum lästern möchte, der sollte sich schnell an die eigene Nase fassen. Denn bei der besagten Regentin handelte es sich um Caroline von Brandenburg-Ansbach, eine gebürtige Deutsche, die im Jahre 1714 an den britischen Hof gelangte. Dort wurde sie für ihre Schönheit und ihren Charme gefeiert – und für die sonntäglichen Festmähler mit ihrem Ehemann, König Georg II. Die wöchentlichen Schlemmerfeste des royalen Ehepaars waren sogar derartig spektakulär, dass das englische Volk Eintrittskarten ersteigern konnte, um dabei zuzusehen.

Und so verwundert es vielleicht wenig, dass Königin Caroline über die Jahre (und nach mehreren Schwangerschaften) so stark an Leibesfülle gewann, dass ihr Körper an seine Grenzen stieß – und sie sich einen Nabelbruch zuzog. Der Bruch an sich, bei dem das kleine Loch unterhalb des Bauchnabelst ausleiert oder reißt, war nicht tödlich und konnte über 13 Jahre gut versteckt werden. Kritisch wurde es jedoch, als Carolines Eingeweide begannen, sich einen Weg durch dieses Loch in der Bauchwand zu suchen und in einem Hautsack unterhalb ihres Bauchnabels zu landen. Abgesehen davon, dass es nicht sehr angenehm gewesen sein kann, die eigenen Organe außerhalb der Bauchhöhle vor sich herzutragen, musste Caroline mit starken Schmerzen, grauenhafter Übelkeit und heftigem Erbrechen kämpfen – vermutlich, weil ihr Darm durch den Nabelbruch gequetscht wurde.

Mit dem heutigen medizinischen Wissen ist ein Nabelbruch grundsätzlich gut behandelbar, sofern er rechtzeitig entdeckt wird. Im 18. Jahrhundert sah die chirurgische Welt jedoch etwas düsterer aus (wie ihr z.B. im Wissenshappen über Meilensteine der Chirurgie nachlesen könnt). Und so wurde auch Königin Caroline für die damalige Zeit gewohnt kompetent behandelt – und ausgiebig zur Ader gelassen. Da das systematische Ausbluten der königlichen Patientin selbstverständlich keine Linderung der Leiden verschaffen konnte, mussten ihrer ratlosen Chirurgen irgendwann doch zur Tat schreiten und begannen, über Tage hinweg ziellos im Nabelbruch und Bauch der Regentin herumzustochern.

Wir können uns die Schmerzen dieser erstklassigen medizinischen Behandlung nur vorstellen. Und somit war es für Königin Caroline vielleicht auch eine Art Erlösung, als sie elf Tage, nachdem ihre Schmerzen begannen, am 01. Dezember 1737 an den Folgen ihres Nabelbruchs verstarb. Das Ende jedoch war elendig und alles andere als royal: drei Tage vor ihrem Tod riss Carolines Dünndarm, der durch den Nabelbruch vermutlich leicht gequetscht und durch das Herumstochern ihrer Ärzte perforiert wurde, und aus dem Bauchnabel der Monarchin ergoss sich stinkender Kot, der ihr Krankenlager flutete.

Königin Caroline starb also unter großen Schmerzen und in erniedrigenden Zuständen – ihrem behandelnden Arzt wurde dennoch ein Orden verliehen. Und ihrer Tochter, Louise, die ein ebenfalls recht fülliges Leben als dänische Königin führte, sollte dasselbe Schicksal beschieden sein: sie starb im Alter von nur 27 Jahren während ihrer Schwangerschaft an einem Nabelbruch.

Was lernen wir also aus diesem blaublütigen Sterben? Der Tod, egal ob königlich oder nicht, kann sehr unschön sein.

Doch eines ist sicher: solange das Leben weitergeht, endet auch das Sterben nicht – und damit auch nicht diese Wissenshappen-Serie.

*Wer sich fragt, woran die Queen eigentlich gestorben ist: im Totenschein der Monarchin wurde als offizielle Todesursache Altersschwäche angegeben. Es kursieren zwar Gerüchte, nach denen Königin Elisabeth II. in ihren letzten Lebensjahren an Krebs litt, diese sind jedoch unbestätigt. Im Alter von 96 Jahren zu sterben, kann meiner Meinung nach jedoch als vollkommen natürlich und irgendwie auch „erstrebenswert“ angesehen werden.

Nachschlag?

Van de Laar, A. (2014). Schnitt! Die ganze Geschichte der Chirurgie erzählt in 28 Operationen* (Vollständige Taschenbuchausgabe November 2016, S. 245-256, 271-286). München, Deutschland: Droemer Knaur GmbH & Co. KG.

Wikipedia (2022). In Wikipedia, die freie Enzyklopädie. Abgerufen 11. Dezember 2022 von https://de.wikipedia.org/wiki/Caroline_von_Brandenburg-Ansbach

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Warum gibt es diesen Wissenshappen?

Vieles ist bekannt über das Leben großer historischer Persönlichkeiten, ihren Werdegang, ihre Taten und gerne auch ihr Privatleben. Doch viel zu selten wissen wir eigentlich, wie diese Menschen am Ende ihres großen Lebens das Zeitliche segneten. Manche Todesfälle sind kurios oder unnötig, andere wiederum lehrreich oder einzigartig – und viele verdienen ihre eigene Geschichte.

Was sollte unbedingt verdaut werden?

Dank Königin Elisabeth II., die diesen Spätsommer im hohen Alter von 96 Jahren verstorben ist, umweht das britische Königshaus ein Hauch der Unsterblichkeit. Und auch wenn die Queen selbst (oder auch ihr Ehemann Prinz Philip) ein überaus langes und robustes Leben führte, so gilt dies sicherlich nicht für alle Mitglieder der Königsfamilie. Im Gegenteil: viele der britischen Royals lebten äußerst ungesund – und nicht unbedingt lange.

Disclaimer:
Der obenstehende Text wurde auf Grundlage der gelisteten Quellen erstellt, ist aber explizit unter Berücksichtigung der subjektiven Erkenntnisse, Vorlieben und dem persönlichen Verständnis der Autorin aufzufassen. Es handelt sich nicht um eine wissenschaftliche Ausarbeitung mit akademischen Anspruch, sondern um eine Zusammenfassung von Geschehnissen und Erzählungen nach individuellem Stil und Empfinden der Autorin. Ausnahmslos jeder Wissenshappen möchte Freude am Wissen schaffen, aber nicht als Fachliteratur verstanden werden. Über Anmerkungen, Ergänzungen, Lob oder Kritik freut sich die Autorin und lädt jeden Leser dazu ein, über die Kommentarfunktion Kontakt aufzunehmen.

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Schlagwörter: , , , Last modified: 12. September 2023