Written by: Biologie Naturwissenschaften

Liebe für die Elefanten: Dickhäutige Familienbande

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Kinder und Erwachsene mögen sich in vielerlei Hinsicht unterscheiden, und sicherlich verändern sich unsere Vorlieben und Interessen mit zunehmendem Alter, wenn die Welt Stück für Stück, Lebensjahr für Lebensjahr, ein bisschen mehr von ihrem Zauber verliert. Doch in einer Sache sind wir uns über die Generationen hinweg einig: die Frage nach unserem Lieblingstier. Wenn wir unsere vielseits geliebten Haustiere, von Hund über Katze bis hin zum Meerschweinchen, außen vorlassen, dann einigen wir uns in vielen Fällen auf jene dickhäutigen Riesen, die allgemein für ihre Sanftmut und Intelligenz bewundert werden: Elefanten. Ob als Kuscheltier, Cartoon-Charakter oder Zoo-Attraktion – jeder liebt diese majestätischen und exotischen Rüsseltiere!

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Und wir tun recht daran, sie zu lieben. Denn Elefanten sind so viel mehr als nur drollige Lebewesen mit überdimensionierten Ohren und ulkigem Rüssel. Sie sind einzigartige Individuen voller intellektuellem Tiefgang, emotionaler Vielschichtigkeit, neckischem Schabernack, tiefgreifender Empathie und unzerstörbarem Familiensinn. Sie sind uns mit ihren Eigenschaften so ähnlich – und doch sind sie ganz anders: friedlicher, genügsamer und selbstverständlich im Einklang mit ihrer Umwelt.

Es ist daher an der Zeit, dass wir diesen besonderen Dickhäutern nicht mehr nur ein gewisses Maß an verklärter Liebe entgegenbringen – sondern vielmehr das echte Verständnis und den tiefen Respekt, den sie tatsächlich verdienen.

Elefantenherde in der Etosha-Pfanne (private Aufnahme)

Girl Power & Familiensinn – das Fundament der Herde

Wenn wir von „Respekt“ im Zusammenhang mit Elefanten sprechen, dann sollten wir vielleicht direkt an der Spitze ihrer sozialen Hierarchie beginnen: bei der Matriarchin der Familie. Im Gegensatz zu uns Menschen, die wir leider viel zu oft in patriarchischen Strukturen verharren, werden Elefantenherden nämlich von einem dominanten Weibchen angeführt. Dabei handelt es sich in der Regel um die älteste und erfahrenste Elefantenkuh einer Herde, wobei in seltenen Fällen auch eine Stellvertreterin übernehmen kann, wenn die vorherbestimmte Kandidatin keinen Drang zum Führen verspürt. Da jedoch das Überleben der Gruppe unmittelbar von der Erfahrung und den Vorgaben der Matriarchin abhängt, darf die Entscheidung über die Anführerin auch nicht auf die leichte (Elefanten-)Schulter genommen werden – was uns Menschen bei der Wahl unserer Politiker vielleicht hin und wieder als lehrreiches Vorbild dienen sollte.

Neben der Matriarchin selbst besteht jede Elefantenherde hauptsächlich aus den Töchtern und Enkelinnen der Leitkuh, aber auch aus den männlichen Jungtieren, die noch nicht alt genug sind, um den Schutz der Familie zu verlassen. Sobald eine Herde, die in der Regel 6 bis 20 Individuen umfasst, zu groß wird oder die Umgebung ausreichend Platz und Nahrung bietet, kann sich unter Umständen eine neue Elefantengruppe aus der bestehenden ausgründen und zu einer sogenannten „Bond-Group“ werden, mit der die ursprüngliche Herde in engem Kontakt bleibt. Elefanten-Herden treffen sich gerne mit ihren Bond-Gruppen, beispielsweise an beliebten Wasserlöchern und Futterstellen, oder einfach auf ihrer täglichen Wanderschaft. Spontane Verwandtenbesuche beschränken sich also nicht nur auf uns Menschen – vielleicht ein schwacher Trost für alle, deren Schwiegereltern gerne unangekündigt vorbeischauen.

Elefantenherde am Wasserloch (private Aufnahme)

Wissen, Weisheit & Weitsicht – die Rolle der Matriarchin

Elefantenherden oder Gruppen ziehen als Nomaden durch ihren Lebensraum und vertrauen bei der Nahrungssuche auf die Weisheit ihrer Leitkuh, die aufgrund des berühmten elefantischen Erinnerungsvermögens abzuschätzen vermag, welche Wasser- oder Futterstelle unter den gegeben Umweltbedingungen die vielversprechendste sein könnte. Bei ihrer Entscheidung verlässt sich die Matriarchin aber nicht nur auf ihre eigenen Erfahrungen, sondern auch auf das Wissen vorheriger Generationen, das innerhalb der Familienverbände weitergegeben wird. Dieses Vorgehen funktioniert jedoch nur so lange zuverlässig, wie die Umweltbedingungen der Elefanten stabil bleiben – was angesichts des Klimawandels und der menschlichen Eingriffe in die Natur leider nicht mehr die beste Überlebensstrategie darstellt.

Eine Elefantenherde verlässt das Wasserloch nach ausgiebigem Bad (private Aufnahme)

Doch nicht nur die Suche nach Nahrungs-, Wasser- und Schlafplätzen liegt in der Verantwortung der Matriarchin: sie schützt die Herde auch vor Gefahren, verteidigt sie gegen Angreifer und schlichtet interne Konflikte zwischen den Familienmitgliedern. Sie ist also ein verantwortungsbewusster Allrounder, der das eigene Wissen an die nächste Generation weitergibt, um den Fortbestand der Herde zu sichern. Aufgrund ihrer herausragenden sozialen Rolle, aber insbesondere ihres lebensnotwendigen Wissens über die besten Nahrungs- und Wasserquellen, kann der Verlust der Leitkuh verheerende und oft tödliche Auswirkungen auf die gesamte Herde haben, wenn keine der verbleibenden Elefantenkühe erfahren genug ist, um die Herde ernähren und schützen zu können. Mit jedem Elefanten, der der Wilderei zum Opfer fällt, kann daher möglicherweise das Schicksal einer ganzen Familie entschieden werden.

Hilflose Tollpatsche & manipulative Angsthasen – die Welt der Elefantenbabys

Mutter und Kind suchen Schutz vor der Sonne (private Aufnahme)

Während die Matriarchin das Zusammenleben der gesamten Herde steuert, kümmern sich die jüngeren Elefantenkühe um die Aufzucht des eigenen Nachwuchs, aber auch um die Betreuung anderer Elefantenkinder. Und die ist auch oft notwendig, denn Elefantenbabys sind (wie jeder weiß) nicht nur außerordentlich süß, sondern auch beeindruckend hilflos. Während der ersten Lebenswochen können sie kaum sehen, sind ungeschickt und besitzen kaum Kontrolle über den eigenen Körper. Daher suchen sie stets den Körperkontakt zu ihrer Mutter, die sie gerne mit einem leichten Summen beruhigt. Falls die Mutter aber gerade nicht zur Verfügung steht oder akute Gefahr droht, springen gerne auch die jungen Elefantenkühe der Herde als pflichtbewusste Babysitter ein und retten die jungen Rüsselnasen aus einer misslichen Situation oder Notlage.

Doch so knuffig die kleinen Elefanten auch aussehen und so hilfsbedürftig sie oft genug tatsächlich sind: manchmal haben sie es auch faustdick hinter den ohnehin schon großen Ohren. Wenn sie sich in Gefahr wägen oder Angst bekommen, stoßen Elefantenkinder laute Schreie aus, um die Verwandtschaft zur Hilfe zu rufen – doch zuweilen trügt der Schein und sie schreien einfach nur, um die Aufmerksamkeit der Verwandten zu erhalten. (Ein leicht manipulatives Verhalten, das so manchem menschlichen Elternteil durchaus bekannt vorkommen mag.)

Alle Jahre wieder – die Rekordschwangerschaft der Elefantenkühe

Auch wenn wir selbstverständlich nicht ihre Gedanken lesen können, dürfen wir aufgrund des gefühlvollen Verhaltens und der mütterlichen Fürsorge annehmen, dass Elefantenkühe ihre Kinder lieben. Und für diese Liebe bleibt ihnen auch ausreichend Zeit, denn die Schwangerschaft allein dauert bereits sagenhafte 22 Monate. Auch die anschließende Stillzeit zieht sich über weitere zwei Jahre, obwohl die jungen Elefanten bereits nach drei Monaten damit beginnen, feste Nahrung zu sich zu nehmen.

Elefantenherde in der Etosha-Pfanne (private Aufnahme)

Elefantenkühe können jedoch nicht nur über einen langen Zeitraum Mutterliebe an den Nachwuchs verschenken, sondern aufgrund der zahlreichen Schwangerschaften im Laufe ihres Lebens auch viele Male: Denn nachdem ein Weibchen im Alter von 11 bis 13 Jahren die Geschlechtsreife erlangt, wird sie ungefähr alle vier Jahre schwanger. Die zweijährige Schwangerschaft und Stillzeit je Elefantenbaby werden dabei fast nahtlos von einer weiteren Brunft und Schwangerschaft abgelöst. Dieser Reproduktionszyklus ermöglicht eine lange, gebärfreudige Zeit, wenn man bedenkt, dass Elefantenkühe bis zu ihrem 50. Lebensjahr (und sogar darüber hinaus) noch trächtig werden können. Wir Menschen dürfen die Elefantenkühe für diese Gebärfreudigkeit bewundern, sollten uns vielleicht aber nicht allzu sehr davon inspirieren lassen.

Enthaltsamkeit & Testosteron – die Zwangs-WG der Elefantenbullen

Ein Elefant auf Wanderschaft (private Aufnahme)

So liebevoll und fürsorglich das Zusammenleben der Elefanten auch klingt: für junge Elefantenbullen findet die familiäre Idylle im Laufe der Jugend ein jähes Ende. Sobald sie zwischen dem 12. und 14. Lebensjahr ins fortpflanzungsfähige Alter gelangen, müssen sie die Familienherde verlassen und fortan als Einzelgänger oder Mitglied einer sogenannten Junggesellengruppe mit anderen männlichen Elefanten umherstreifen. Anders als wir uns das vielleicht aufgrund unserer menschlichen, teils rüpelhaften Teenager vorstellen würden, ist das Leben der Junggesellen erstaunlich friedlich, respektvoll und durchaus spielerisch. Diese Harmonie der jungen Männchen wird vor allem durch die Nähe älterer Elefantenbullen gefördert, deren Anwesenheit die Hormonausschüttung der jüngeren Exemplare reduziert.

Die Anwesenheit älterer Bullen beeinflusst jedoch nicht nur die Hormonwelt der jungen Männchen, sondern auch ihr Sexualleben. Denn obwohl sie sich bereits ab einem Alter von ungefähr 15 bis 20 Jahren für das andere Elefantengeschlecht zu interessieren beginnen, steht ihnen eine jahrelange Zeit der Enthaltsamkeit bevor, da Elefantenkühe für die Paarung ältere Bullen bevorzugen, die sich in der testosterongeladenen Phase der sogenannten „Musth“ befinden. Diesen Zustand gesteigerter Aggressivität und sexueller Erregung erreichen männliche Elefanten jedoch erst ab dem 30. Lebensjahr – eine lange Wartezeit für die geschlechtsreifen Jungen.

Junge Elefanten im spielerischen Kampf (private Aufnahme)

Ein Elefantenbulle durchläuft ungefähr ein Mal pro Jahr die Musth, wobei der genaue Zeitpunkt zwischen den Individuen variiert. Diese zeitliche Verschiebung der Musth erleichtert nicht nur das Leben der Elefantenkühe (was viele Menschenfrauen vermutlich nachvollziehen können), sondern ist vielleicht auch aus ästhetischer Perspektive ein wenig angenehmer: Während der Musth scheiden Elefantenbullen scharf riechenden Urin aus, der ihre sexuelle Erregung signalisiert, und ihr Penis verfärbt sich gelegentlich grün (ein Phänomen, das von erstaunten Forschern zunächst den Namen „Grüne-Penis-Krankheit“ erhielt).

Die kürzeste Nebensache der Welt – das Sexleben der Elefanten

Junge Elefanten beim Spielen im Wasserloch (private Aufnahme)

Elefantenbullen in der Musth beginnen eine stete Wanderung von Elefantenherde zu Elefantenherde, immer auf der Suche nach einem brunftigen Weibchen. Sobald sie die Paarungsbereitschaft einer Elefantenkuh wittern, gehen sie direkt auf Tuchfühlung – und das auf eine Weise, von der wir Menschen uns nicht inspirieren lassen sollten: Kurzentschlossen betastet der interessierte Bulle mit seinem Rüssel die Vulva der auserwählten Elefantenkuh, sammelt eine Prise dessen, was ihn erwarten würde, und lässt sich die Geschmacksprobe auf der Zunge zergehen. Falls der Geschmackstest positiv ausfällt, kommt es sofort zur Paarung, die allerdings nur wenige Sekunden andauert, dafür aber über mehrere Tage wiederholt wird.

Auch wenn die Romantik bei den Elefanten vielleicht ein wenig zu kurz kommen mag, so ist ihre Gefühlswelt dennoch unendlich komplexer und faszinierender als wir uns meist vorstellen. Doch dieser ganz besonderen Welt der Elefanten widmen wir uns im nächsten Wissenshappen.

(Die Fotoaufnahmen der Elefanten entstanden allesamt in Namibia. Wenn ihr mehr über dieses wundervolle „Land der Weite“ erfahren wollt, schaut doch bei diesem Wissenshappen vorbei!)

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Nachschlag?

Safina, C. (2017). Die Intelligenz der Tiere. Wie Tiere fühlen und denken* (2. Auflage). München, Deutschland: C.H.Beck.

Amrehn, B. (o.D.) Elefanten. Familienleben in der afrikanischen Savanne. Abgerufen 22. Juli 2023 von https://www.planet-wissen.de/elefanten-118.html

Jabulani (o.D.) Elephants and the Strength of Family: Herds, Bond Groups & Clans. Abgerufen 23. Juli 2023 von https://jabulanisafari.com/blog/elephants-and-the-strength-of-family-herds-bond-groups-clans/

Wikipedia (2023). In Wikipedia, die freie Enzyklopädie. Abgerufen 23. Juli 2023 von https://de.wikipedia.org/wiki/Elefanten

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Warum gibt es diesen Wissenshappen?

Jeder kennt und liebt die besonderen Rüsseltiere mit ihren großen Ohren, dem berühmten Gedächtnis und sanftmütigen Wesen: Elefanten, die grauen Riesen. Doch hinter dem imposanten und durchaus drolligen Aussehen verbirgt sich mehr als nur ein sanftes Gemüt mit dicker Haut: Elefanten sind einzigartige Individuen voller intellektuellem Tiefgang, emotionaler Vielschichtigkeit, neckischem Schabernack und unzerstörbarem Familiensinn. Ihre sozialen Strukturen und Rollen folgen klaren Vorgaben und jahrtausendelangen Traditionen, die zum Fortbestand der Herde von Generation zu Generation weitergegeben werden. Diese einzigartigen Tiere verdienen daher nicht nur unsere verklärte Liebe, sondern vielmehr tiefen Respekt für ihren besonderen sozialen Zusammenhalt aus familiärer Fürsorge und Harmonie, der uns Menschen in vielerlei Hinsicht – wenn auch nicht in jeder – zum Vorbild dienen sollte.

Was sollte unbedingt verdaut werden?

Elefantenherden folgen klaren Regeln und Strukturen: geführt von einer erfahrenen Matriarchin, in der Regel die älteste Elefantenkuh der Familie, bestehen sie primär aus einer Vielzahl von weiblichen Verwandten, die verschiedene Funktionen in der Gruppe ausüben. Insbesondere die Kindererziehung nimmt einen besonderen Stellenwert ein, denn Elefantenkühe werden viele Mal in ihrem Leben trächtig und kümmern sich auch nach der knapp zweijährigen Schwangerschaft noch jahrelang liebevoll um den tollpatschigen Nachwuchs. Im Gegensatz zu den weiblichen Nachkommen, die in der eigenen Herde oder in befreundeten „Bond-Groups“ ihren dauerhaften Platz finden, müssen männliche Jungelefanten im Teenageralter den Schutz der Familie verlassen. Und so streifen sie entweder als Einzelgänger oder in Junggesellengruppen umher, bis sie mit Anfang Dreißig in die testosterongeladene Phase der „Musth“ kommen und sich auf stete Wanderschaft begeben – immer auf der Suche nach einem brunftigen Weibchen.

Disclaimer:
Der obenstehende Text wurde auf Grundlage der gelisteten Quellen erstellt, ist aber explizit unter Berücksichtigung der subjektiven Erkenntnisse, Vorlieben und dem persönlichen Verständnis der Autorin aufzufassen. Es handelt sich nicht um eine wissenschaftliche Ausarbeitung mit akademischen Anspruch, sondern um eine Zusammenfassung von Geschehnissen und Erzählungen nach individuellem Stil und Empfinden der Autorin. Ausnahmslos jeder Wissenshappen möchte Freude am Wissen schaffen, aber nicht als Fachliteratur verstanden werden. Über Anmerkungen, Ergänzungen, Lob oder Kritik freut sich die Autorin und lädt jeden Leser dazu ein, über die Kommentarfunktion Kontakt aufzunehmen.

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Schlagwörter: , , Last modified: 30. August 2023