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Herrscher der antiken Welt: Aufstieg & Niedergang des Römischen Reiches

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„Minotaurus hic habitat.“ – „Hier wohnt der Minotaurus.“ Niemals werde ich diesen einen Satz vergessen, der das einzige sprachliche Erbe meines einjährigen Lateinunterrichts der 9. Klasse umfasst. Auch wenn ich ihn damals nicht so recht einzusetzen wusste, und er mir auch bis heute noch keinen echten Nutzen bringen konnte, so bewahre ich ihn dennoch stolz als Zeichen meiner jahrelangen Faszination für diese eine besondere Hochkultur, deren Protagonisten, Lebensweise, Architektur und militärische Kraft auch knapp 1.500 Jahre nach ihrem Untergang noch einen ganz besonderen Zauber ausüben: das Römische Reich oder auch – etwas wohlklingender und beeindruckender – das Imperium Romanum.

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Mit meiner Faszination bin ich übrigens nicht alleine: Kaum eine andere vergangene Zivilisation, mit Ausnahme vielleicht des Alten Ägyptens, begeistert auch heute noch so viele Menschen wie jene des antiken Roms. Erst vor zwei Monaten ging beispielsweise auf TikTok der sogenannte „Roman Empire Trend“ viral, der deutlich machen konnte, dass vor allem Männer* offenbar ziemlich regelmäßig über das Römische Reich nachdenken.

Doch wenn wir ehrlich sind: oft wissen wir nicht mehr über die Römer als das, was wir durch die beliebten Comic-Helden „Asterix und Obelix“ oder Hollywood Blockbuster wie „Gladiator“ vermittelt bekommen. Auch ein Instagram-freundlicher Wochenendtrip in die ewige Stadt selbst beschränkt sich meist auf die klassischen Touristenmagneten wie das Colosseum, das Forum Romanum und vielleicht noch den Trevi Brunnen. Das Römische Reich ist aber so viel mehr als die Ruinen seiner Vergangenheit: als Dreh- und Angelpunkt der Entwicklung des Abendlandes bildet es das Fundament unserer eigenen Geschichte.

Im Dunkel der Vergangenheit – die geheimnisvollen Anfänge der Stadt Rom

Die Anfänge des Römischen Reichs sind kaum dokumentiert und bieten dem kreativen menschlichen Geist wunderbaren Freiraum für Mythen und Legenden. Die berühmteste Erzählung über die Ursprünge der alten Römer findet sich in der „Aeneis“, eines der bedeutendsten literarischen Werke der Antike: In diesem beeindruckenden Epos beschreibt der römische Dichter Vergil die abenteuerliche Reise des Helden Aeneas, der nach der Niederlage der Stadt Troja im gleichnamigen Krieg einer göttlichen Prophezeiung folgend nach Italien aufbricht, um eine neue Heimat für seine Familie zu finden. Als Urahn der Zwillinge Romulus und Remus, die in der römischen Mythologie als Gründer der Stadt Rom im Jahr 753 v. Chr. gelten, wurde Aeneas als Stammvater der Römer verehrt.

Vermutlich war die Realität weniger glanzvoll: Überreste aus dem 10. Jahrhundert v. Chr. lassen vermuten, dass sich bereits viel früher erste Siedlungen bildeten, die sich im 7. Jahrhundert v. Chr. schließlich zur Stadt Rom zusammenfügten. Dieser neue Stadtstaat, der aufgrund strategisch wichtiger Handelsrouten und dem Seehafen Ostia an Bedeutung gewann, wurde während der sogenannten Königszeit von insgesamt sieben altrömischen bzw. etruskischen Königen regiert. Nach der angeblichen Vertreibung des letzten Königs endete diese erste Periode Roms im Jahr 509 v. Chr. mit der Gründung der Römischen Republik.

Partizipation und Expansion: die Zeit der Römischen Republik

Cesare Maccari artist QS:P170,Q1056862, Cicerón denuncia a Catilina, por Cesare Maccari, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Die Römische Republik zeichnete sich durch ihre besondere Regierungsform aus, in der einerseits die (oft adelige) Oberschicht im Senat der Stadt die Geschicke Roms leitete, gleichzeitig aber auch die erstarkende bürgerliche Mitte in Form der Volksversammlung die Gesetzgebung entscheidend mitbestimmte. Diese Formen der Bürgervertretung spiegeln auch die Struktur der römischen Gesellschaft wider: den Angehörigen des Erbadels, den sogenannten Patriziern, standen die erstarkenden freien und oft wohlhabenden Bürger der Stadt gegenüber, die als Plebejer bezeichnet wurden.

Neben dieser besonderen Form der Regierung markiert die Zeit der Römischen Republik außenpolitisch zugleich die Phase der stärksten Expansion des Reiches: über die italienische Halbinsel hinweg eroberten die Römer nicht nur Sardinien und Sizilien, sondern kämpften sich im Laufe der Jahrhunderte bis auf die Iberische Halbinsel, in den Nahen Osten sowie nach Nordafrika (unter anderem nach der Niederlage des berüchtigten karthagischen Heerführers Hannibal im Jahr 202 v. Chr.) und Griechenland vor. Berühmt ist auch die Eroberung Galliens, also des heutigen Frankreichs, unter der Führung Gaius Julius Caesar, dem ehrgeizigen Feldherren und Politiker (und wie er sich selbst stolz küren ließ: „Diktator auf Lebenszeit“), aus dessen Alleinherrschaft in den Jahren 46 bis 44 v. Chr. das römische Kaiserreich entstand.

Stoisch in den Abgrund – von der Pax Romana in die Zeit des Niedergangs

Nach Caesars Tod an den verhängnisvollen Iden des März und einer Dekade innerpolitischer Matchkämpfe um die Nachfolge des Diktators setzte sich schließlich sein Großneffe und Haupterbe Oktavian durch. Als Augustus wurde er im Jahr 27 v. Chr. zum ersten römischen Kaiser ernannt – ein historischer Schritt, der die dritte Periode des Römischen Reichs einleitete: die Kaiserzeit bzw. das Prinzipat. Unter den Nachfolgern dieses ersten Kaisers sind uns heute u.a. der angeblich wahnsinnige Kaiser Caligula und der ebenso wenig geschätzte Nero bekannt, unter dessen Herrschaft im Jahr 64 oder 65 n. Chr. eine der ersten systematischen Christenverfolgungen durchgeführt wurde.

Obwohl die außenpolitische Expansion des Römischen Reichs während der Kaiserzeit nicht mehr so erfolgreich vorangetrieben werden konnte wie zu Zeiten der Römischen Republik, erreichte es dennoch im Jahr 117 n. Chr. seine größte Ausdehnung und erstreckte sich von Schottland bis nach Nubien (dem heutigen Südägypten und Sudan) sowie von Portugal bis nach Mesopotamien. Immerhin 50 Millionen Menschen auf drei Kontinenten lebten während jener knapp 200 Jahre lang währenden Phase der inneren Stabilität und des Wohlstandes, auch bekannt als Pax Romana, im mächtigen Imperium Romanum.

Furfur, German localization of the original Image:RomanEmpire 117.svg, made by Andrei nacu, RomanEmpire 117 de, CC BY-SA 3.0

Doch auch die schönste Zeit muss einmal zu Ende gehen, und unter dem philosophisch versierten, im wahrsten Sinne des Wortes stoischen Kaiser Mark Aurel begann das Reich gegen Ende des zweiten Jahrhunderts schließlich in verschiedene Krisen zu gleiten, die sich in den folgenden Jahrzehnten insbesondere in militärischen Auseinandersetzungen mit rebellierenden Germanen, Galliern und Persern entluden.

Aus vier mach eins – Kaiser Konstantin und der Siegeszug des Christentums

Im Jahr 284 n. Chr. begann schließlich die vierte – und letzte – Periode des Römischen Reiches: die Spätantike. In dieser Phase verteilte sich die Macht des Kaisers nicht mehr nur auf eine Person, sondern wurde zwischen zwei „normalen“ Kaisern, einem Junior-Kaiser sowie einem vorherrschenden Senior-Kaiser aufgeteilt, um der Größe und Komplexität des Weltreiches Herr zu werden. Diese sogenannte Tetrarchie wurde jedoch bereits wenige Jahrzehnte später durch Konstantin den Großen beendet, der zwischen 306 und 324 n. Chr. schrittweise die Alleinherrschaft an sich riss. Konstantin ernannte nicht nur Konstantinopel (das ehemalige Byzanz und heutige Istanbul) zum neuen Hauptsitz seines Reiches, sondern stellte auch das Christentum unter besonderen Schutz – ein religiöser Richtungswechsel, der letztlich dazu führte, dass es 393 n. Chr. zur Staatsreligion erhoben wurde.

Nach der „Reichsteilung“ im Jahr 395 n. Chr. unterteilte sich das Römische Reich in einen westlichen Kaiserhof mit Sitz in Mailand, Ravenna oder Rom sowie einen östlichen Kaiserhof mit Sitz in Konstantinopel. Das Weströmische Reich verlor jedoch zunehmend an Bedeutung und zerfiel schließlich im Jahr 476 n. Chr. gänzlich – unter anderem als Folge der im 4. Jahrhundert n. Chr. einsetzenden Völkerwanderung insbesondere im germanischen Raum, aber auch aufgrund politischer Instabilität und ökonomischer Schwäche gegenüber dem Oströmischen Reich. Das stabilere Ostrom führte hingegen als Byzantinisches Reich seine kulturelle, politische und nun auch religiöse Vormachtstellung fort, bis es 1453 durch die Osmanen bezwungen wurde.

Totgesagte leben länger – die Wiederauferstehung vergangener Zeiten

Obwohl das Weströmische Reich gegen Ende des 5. Jahrhunderts auseinanderbrach, ging der Glanz des Imperium Romanum niemals vollständig verloren. Denn einerseits lebt das Imperium Romanum, wie uns Tik Tok eindrucksvoll beweist, auch heute noch in den Köpfen der (männlichen) Weltbevölkerung weiter. Und andererseits sollte das verlorene Westrom dank des fränkischen Königs und römischen Kaisers Karl dem Großen bereits 300 Jahre nach seinem Untergang in neuer Form wieder auferstehen.

Die Geschichte Karls des Großen liefert jedoch Stoff für einen eigenen Wissenshappen. Und so wie ihr nun in der Adventszeit jeden Tag ein neues Türchen öffnet, so solltet ihr auch auf diesem Blog wieder vorbeischauen – für den letzten Wissenshappen am letzten Tag des Jahres 2023.

*Natürlich denken nicht nur Männer an das Römische Reich – der Trend ist mit einem Augenzwinkern zu verstehen. Als Frau kann ich bestätigen, dass auch der weiblichen Weltbevölkerung das Imperium Romanum durchaus präsent ist.

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Nachschlag?

Heidenreich, B. (o.D.). Das antike Rom. Abgerufen 03. Dezember 2023 von https://www.planet-wissen.de/geschichte/antike/das_antike_rom/index.html

Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen (o.D.). Das Römische Reich. Abgerufen 01. Dezember 2023 von https://www.roemer.nrw/das-roemische-reich

Wikipedia (2023). In Wikipedia, die freie Enzyklopädie. Abgerufen 03. Dezember 2023 von https://de.wikipedia.org/wiki/Römisches_Reich

Warum gibt es diesen Wissenshappen?

Jeder kennt es: das antike Rom. Ob in Comics, Filmen, Büchern oder Serien – bis heute beeinflusst dieses einzigartige Großreich der Geschichte unsere Popkultur und zieht mit seinen prachtvollen Bauwerken und geheimnisvollen Herrschern Generationen von Menschen in seinen Bann. Dabei bietet das Römische Reich so viel mehr als nur die glorifizierten Persönlichkeiten und beeindruckenden Ruinen seiner Vergangenheit: Als Supermacht der Antike brachte es ganze Großreiche und Hochkulturen zu Fall und erstreckte sich zu seinem Höhepunkt über drei Kontinente der bekannten Welt. Mit seinen politischen, religiösen und kulturellen Errungenschaften legte das Imperium Romanum zudem das Fundament des christlichen Abendlandes – und beeinflusste über zwei Jahrtausende hinweg die herrschaftlichen Strukturen Europas.

Was sollte unbedingt verdaut werden?

Die Anfänge des Römischen Reiches liegen im Nebel der Geschichte verborgen, doch ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich zunächst mit der Stadt Rom ein neues Reich der Antike, das über die folgenden Jahrhunderte einen Großteil der bekannten Welt erobern sollte. Neben der geografischen Expansion entwickelte sich auch die politische Struktur des einstigen Königsreichs rasant: nach dem Fall der etruskischen Könige im 5. Jahrhundert v. Chr. bestimmten vor allem Vertreter des Erbadels und der wohlhabenden Bürgerschaft die Geschicke der neuen Republik. Doch die Alleinherrschaft Gaius Julius Caesars in den Jahren 46 bis 44 v. Chr. begründete das römische Kaiserreich, das zu seinem Höhepunkt mehr als 50 Millionen Menschen umfasste. In Folge der Reichsteilung im Jahr 395 n. Chr. endete das Weströmische Reich jedoch im Jahr 476 n. Chr., während das Oströmische (Byzantinische) Reich noch bis ins 15. Jahrhundert n. Chr. überdauerte.

Disclaimer:
Der obenstehende Text wurde auf Grundlage der gelisteten Quellen erstellt, ist aber explizit unter Berücksichtigung der subjektiven Erkenntnisse, Vorlieben und dem persönlichen Verständnis der Autorin aufzufassen. Es handelt sich nicht um eine wissenschaftliche Ausarbeitung mit akademischen Anspruch, sondern um eine Zusammenfassung von Geschehnissen und Erzählungen nach individuellem Stil und Empfinden der Autorin. Ausnahmslos jeder Wissenshappen möchte Freude am Wissen schaffen, aber nicht als Fachliteratur verstanden werden. Über Anmerkungen, Ergänzungen, Lob oder Kritik freut sich die Autorin und lädt jeden Leser dazu ein, per E-Mail Kontakt aufzunehmen.

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Schlagwörter: , , , , Last modified: 31. Dezember 2023